Das Europaprojekt Dinxperlo-Suderwick
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Das Bültenhaus vom Hellweg aus gesehen
Wohnen und leben wie Zuhause, auch im Alter und mit Pflegebedarf – dieser Wunsch vieler Menschen stand am Anfang des Europaprojektes in Dinxperlo-Suderwick.

Das deutsch-niederländische Grenzgebiet liegt weitgehend im ländlichen Raum mit einem relativ niedrigen Versorgungsniveau und nicht zusammenhängenden Angeboten. Hier sind das deutsche Suderwick (ein Ortsteil der etwa zehn Kilometer entfernt liegenden Stadt Bocholt) und das niederländische Dinxperlo nur durch die Staatengrenze in der Mitte der gemeinsamen Hauptstraße voneinander getrennt.

Das führte dazu, dass Bürger nicht einfach Dienste in der Nachbarschaft in Anspruch nehmen konnten, denn diese lagen zum Teil „im Ausland“. Und die sozialen Versicherungen (insbesondere Pflegeversicherung und Krankenversicherung) übernehmen nur eingeschränkt die Kosten für Leistungen, die im Ausland in Anspruch genommen werden. In der Praxis bedeutete dies, dass Menschen auf weiter entfernt liegende Ortschaften ausweichen mussten, um die für sie adäquaten Pflegeangebote nutzen zu können.

Grenzüberbrückendes Wohn- und Pflegehaus

Anlass genug für das Evangelische Johanneswerk, zusammen mit niederländischen Partnern ein grenzüberschreitendes Projekt zu entwickeln, mit dem der Zugang zu bestehenden Angeboten verbessert und das Angebotsniveau insgesamt erweitert wurde.
Am Ende des Projektes sollte der Bau eines – im wahrsten Sinne des Wortes – grenzüberbrückenden Wohn- und Pflegehauses stehen.

Das Modellprojekt begann mit der Gründung der Stiftung „Europaproject Dinxperlo-Suderwick“ im Jahr 2004. Träger und Entwickler des Projektes waren das deutsche Evangelische Johanneswerk, das niederländische Woon-Zorgcentrum Careaz Dr. Jenny sowie die niederländische Vrijwilllige Intensive Thuiszorg (VIT) Oost-Gelderland.

Entwicklung einer so genannten Wohn-Sorge-Zone

Aufgabe der Stiftung bzw. der dahinter stehenden Träger war die Entwicklung einer so genannten Wohn-Sorge-Zone. In dieser Zone gehen stationäre und ambulante Angebote, Pflege und Betreuung durch Freiwillige und durch professionelle Dienste Hand in Hand. Ziel ist hier eine Kombination von Pflege, Betreuungs- und Wohnangeboten, die durch zusätzliche Serviceleistungen – wie zum Beispiel Mahlzeitendienste – ergänzt werden. Dabei stehen die Hilfebedarfe Einzelner im Mittelpunkt, was es notwendig machte, die Angebote auf beiden Seiten der Grenze aufeinander abzustimmen. Dies sollte sich auch auf den Transfer grenzüberschreitender Pflege- und Betreuungsleistungen sowie ihrer Finanzierung beziehen.

Auf der niederländischen Seite gab es bereits eine stationäre Einrichtung, das Dr. Jenny Woon-Zorgcentrum. Ziel war es nun, die Angebote für die häusliche Pflege auszubauen oder Alternativen zu einem rein stationären Angebot zu schaffen.
Verschiedene deutsch-niederländische Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit den Themen ambulante Versorgung, Ausbildung, Freiwilligenarbeit, rechtliche und pflegerische Rahmenbedingungen und Bau. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden in einem Handbuch zusammengefasst, das hier zum Herunterladen (in verschiedenen Abschnitten) bereitsteht.

Zwölf Wohnungen des betreuten Wohnens und
eine Wohngemeinschaft

So entstanden die Planungen für das Bültenhaus als grenzüberbrückendes Wohn- und Pfegehaus, in dem zwölf Wohnungen des betreuten Wohnens sowie eine Wohngemeinschaft mit neun Plätzen für Deutsche und Niederländer realisiert wurden. Darüber hinaus sollten unterstützende Freiwilligendienste ermöglichen, das selbstständige Wohnen in der Wohn-Sorge-Zone aufrechtzuerhalten. Beratungsdienste im Bültenhaus durch deutsche und niederländische Organisationen sollten die Dienste abrunden.

Europweit einmalig

Im Verlauf der Jahre 2007 und 2008 entstand – europaweit einmalig – das erste grenzüberschreitende Gebäude. Dabei wurde das neu gebaute Bültenhaus mit einer Europabrücke über die Grenze an das bestehende Dr. Jenny Woon-Zorgzentrum angeschlossen. Ein Teil der Wohngemeinschaft – das Wohnzimmer oder der Lebensmittelpunkt – befindet sich genau über der Grenze. Über jeweils einen Eingang auf der deutschen und der niederländischen Grenzseite besteht Zugang für die Bewohner zu ihrer Wohngemeinschaft, was den deutschen und niederländischen Bewohnern ermöglicht, ihr jeweiliges Leistungsrecht für Versorgungsleistungen der Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen.

Taverne, Sozialstation, Kompetenzzentrum
 
Auf der Brücke befindet sich auch die Taverne – ein kleines Café, das regelmäßig nachmittags geöffnet hat und dessen Räumlichkeiten auch für Veranstaltungen gemietet werden können.

Im Haus befindet sich weiterhin eine Sozialstation sowie das Kompetenzzentrum, in dem Wissen und Erfahrungen zur grenzüberschreitenden Versorgung aufbereitet werden. Verschiedene Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen (zum Beispiel Pflege, Sicherheit im eigenen Haus, kleine Konzerte, Seniorengymnastik) sind für alle Bewohner und die Einwohner von Dinxperlo-Suderwick zugänglich und runden das Angebot ab. Bewohner des Bültenhauses nehmen zudem regelmäßig an den Veranstaltungen im Careaz Dr.-Jenny teil.


Stiftungen / Finanzierer:





Mehr Infos auch unter:



Sie haben noch Fragen?

Europaproject Dinxperlo-Suderwick
c/o Johanneswerk
Anja Zimmermann
Schildescher Straße 101
D-33611 Bielefeld

Telefon 0049-521-801-2160

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